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Der Design Thinking Bullshit

Aktualisiert: Feb 5

Der Hype um Lego spielen und andere Kuschel-Übungen



Buzz-word-bashing par excellence

"Wir müssen agiler werden! Lasst uns doch mal n´ Agile Breakfast machen?! Na, seit ihr bereit für unseren nächsten Big Impact? Wir machen am besten einen DevOps Workshop zum dem Thema...bis wir alle unser Mindset auf das Next Level gebracht haben..."


Kommen Ihnen diese Phrasen bekannt vor? Mir auch.

Wir befinden uns mitten drin - im agilen Zeitalter. Die Unternehmen haben den Trend entdeckt und bewegen sich (getrieben von der "Big Impact Peitsche") immer weiter in Richtung Zukunft. Die neuen "agilen Coaches" sind ausgerüstet mit schicken Scrum & agile Coach Zertifikaten und los geht die Achterbahnfahrt!



Doch der ein oder andere zweifelt an dem ganzen Rummel um neue Titel, komplizierte Anglizismen und der Flut des neuen Bullshit-Bingos.


Doch was steckt denn jetzt wirklich dahinter? Ist das alles nur Show und Effekt-loser Humbug?


Nein, ist es nicht! Tatsächlich beweisen uns einige Unternehmen, dass Agilität und die richtige Methodik dahinter sehr erfolgreich sein kann.


Doch soviel sei verraten: es sind die wenigsten Organisationen, die wirklich langfristig erfolgreich damit sind. Warum? - Diese Unternehmen haben den Sinn dahinter verstanden und lassen sich mit den berühmten Buzz-Words nicht weiter abfrühstücken.


Was dahinter steckt

Hinter Agilität steckt im Grunde alter Wein in neuen Schläuchen. Eine Idee, die in Japan entstanden ist; Ein Konzept, welches Unternehmen wie Google, Amazon, Tesla, Apple und Co. gross gemacht haben und damit die Welt erobern.


Kundenorientierung, Kundenorientierung, Kundenorientierung

Dabei hat Agilität nichts mit "schöner Wohnen" und Kuschelei zu tun.

Agilität beschreibt strikte und extreme Kundenorientierung. Ein Thema, womit wir in Mitteleuropa uns gewiss schwer tun, haben wir dies in den letzten Jahrzehnten doch fast vergessen.

In der Tat ein kulturelles Problem der D-A-CH Region.


Glauben Sie nicht? Tatsächlich fällt es mir immer wieder auf. Ob bei Vorträgen, Workshops oder Sparring-Gesprächen. Wenn ich dort die Frage stelle, für wenn denn ein Prozess gestaltet ist und für wen dieser den optimiert werden muss, oder für wenn "ihr denn eigentlich arbeitet und Quality Management betreibt", dann erhalte ich in der Regel die Antworten: "Na, für den Chef, für den Abteilungsleiter, für das HR etc."


Dass die ganze Show einer Organisation aber eigentlich für den Kunden und dessen Zufriedenheit passiert...wird im Organisations-Dschungel seltenst erkannt.


Der Japanische Betriebs-Ökonom & Wirtschaftswissenschaftler Minoru Tominaga kann ein Liedchen davon singen. Er beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Problem im D-A-CH Kulturraum.



"Wenn die Deutschen Maschinen bedienen, glänzen ihre Augen, wenn sie Menschen dienen, stehen ihnen die Haare zu Berge."

(Minoru Tominaga) - vgl. Artikel






Agilität als Lösung

Agiles Arbeiten und die agile Methodik soll das lösen. Durch eine dynamische Organisation und die Selbststeuerung der Mitarbeitenden, soll der Kunde, sein spezifischer Kunden-Nutzen/Bedarf wieder vollkommen in den Mittelpunkt gerückt werden.

Nach der agilen Idee werden Mitarbeiter mit all ihrer Kompetenz und Diversität dazu befähigt, einen Beitrag zu leisten, der weitaus effizienter und effektiver ist, als der Entscheid und die Kreativität eines Einzelnen (vgl. klassische Hierarchie).


Ziel und permanente Aufgabe ist es, den Kunden und sein Bedarf exakt zu identifizieren. Für viele scheint dies sehr offensichtlich und leicht zu beantworten. Sicher?

Ich behaupte, dass ist alles andere als offensichtlich und leicht.


Die Sache mit der Kundenbefragung

Nun meldet sich der Marketing-Experte mit dem Konter: "Ja, aber wir machen doch Kundenbefragungen!"

Das mag sein. Aber sind dieser wirklich zielführend und effektiv?

„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ (Henry Ford) - vgl. Artikel


Die Kunst ist es, von offensichtlichen Äusserungen der Kunden wegzukommen. Kunden sind (ob man glauben mag oder nicht) tatsächlich auch Menschen und somit komplexe psychologische Wesen.


So schwer Sie mir ad hoc sagen können, was Sie konkret im Leben erreichen wollen, so schwer fällt dies einem Kunden. Vor allem zu äussern, was er eigentlich will.


Möchte ich ein Telefon oder doch lieber das Gefühl haben stets Teil eines exklusiven Clubs von Trendsettern zu sein?

(Bezug: Apple und sein jährlich erscheinendes neues Modell des iPhone)


Design Thinking

Design Thinking ist eine der zahlreichen agilen Methoden, die genau diese Herausforderung meistern soll.

Aus der Designer Branche stammend, findet der "Design Prozess" auch in anderen Bereichen und Branchen Zuspruch.


Die Theorie

Die Idee dahinter ist simpel. Ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Prozess wird aus Sicht des Kunden betrachtet. Dieser gilt als indirekter "Bestimmer & Designer", wie was auszusehen hat. Das Kredo: Jeder Entscheidung, jedes Ergebnis muss für den Kunden sprechen.


Aufgrund des Selbststeuerung und der Diversität der Entscheidungsträger (Entwickler, Gestalter und Teammitglieder) im Design Thinking Team, entsteht ein besseres Verständnis vom Kunden und seinem konreten Bedarf - So die Theorie! (vgl. Artikel)



Das mit der lieben Praxis

In der Praxis sehen wir in Mitteleuropa dann Lego spielende Manager & Produktentwickler. Coaches mit einem schicken Lego® Serious Play® Zertifikat, welche versuchen Unternehmen zum "Neu-Denken" und zur Kundenorientierung zu erziehen.

Verstehen Sie meine harschen Unterton nicht falsch. Oft sind Arbeiten und Methoden wie diese ein toller Ansatz und gelegentlich sehr erfolgreich, doch in der Regel nicht mehr als weitere Buzz-Words und Mitarbeiter-Bespassung.


Workshops und die angewandte Praxis der Design Thinking werden für gewöhnlich zu oberflächlich gehalten.


Das psychologische Know-How fehlt

Weshalb das so ist, wird relativ schnell klar. Es fehlt das psychologische Wissen hinter dem ganzen Ansatz. Wenn wir bei Menschen herausfinden möchten, was diese wirklich wollen, dann müssen wir "tief graben". Die Psychotherapie und Psycho-Analyse hat ähnliche Werkzeuge entwickelt, um Erleben & Verhalten von Menschen hinsichtlich deren Wünsche, Bedürfnisse und Leiden zu analysieren.


Dass diese und ähnliche Methoden mittlerweile breit in der allgemeinen Produktentwicklung angewandt werden, ist kein Geheimnis mehr (vgl. Artikel). Wen wundert es - Kunden ticken im Prinzip genauso, wie Menschen. Manch ein Professor soll gar behauptet haben Kunden = Menschen.


Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer. Es fehlt unseren Design Thinkern nicht nur am Basis-Verständnis, sondern ebenso am psychologische Know-How, andere Mitarbeitende mittels Psycho-Edukation dazu zu befähigen.


Was also tun?

Was also tun? Das Design Thinking als unbrauchbar abtun und beiseite legen?

Nein! Ganz im Gegenteil!

Das Design Thinking ist eine geniale Methode, schnell und effizient, Produkte, Dienstleistung und Prozesse zu designen und/oder zu optimieren.


Nur sollten wir dabei zunächst den Sinn und Zweck der Methode erkennen und uns somit auf das Wesentliche konzentrieren. Lego, Buzz-Words & Co. schieben wir erstmal beiseite.


Back to the roots

Zurück zum eigentlichen. Zurück zum Menschen, zurück zum Kunden. An ihn müssen wir (in Mitteleuropa) uns erstmal gewöhnen.


Mit der Agilität und dem Design Thinking geht das recht gut. Aber lassen Sie uns dabei kleine Schritte machen. Lassen sie uns mit dem Menschen beginnen, bevor wir mit dem Kunden arbeiten.

Wir müssen verstehen wie Menschen ticken, wie sie Entscheidungen treffen und wie Bedarfe entstehen.

Wenn wir das erkennen, beginnen wir mit dem Abenteuer der Kunden-Psychologie.

Das Design Thinking macht dann umso mehr Spass.


Autor

Johannes Baldauf

Psychologe & Soziologe

Universität Freiburg

www.agilitaetskonform.com




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